75 Tage Gartenstraße 19!

Nachdem es schon seit längerem keine Neuigkeiten vom besetzten Haus Gartenstraße 19 in Freiburg gab, hier ein paar Infos zum aktuellen Stand. Seit 75 Tagen ist das Haus Gartenstraße 19 besetzt und es hat sich einiges getan. Der Infoladen konnte sich in dieser Zeit stets weiterentwickeln und bietet die Möglichkeit, sich über gesellschaftliche Diskurse und aktuelle politische Aktionen, Veranstaltungen und Workshops auch außerhalb Freiburgs zu informieren. Auch der Umsonstladen erfreut sich an einem und vielfältigen Wachstum an Kleidern und anderen Gebrauchsgegenständen. Weiterhin werden die Räumlichkeiten des besetzten Hauses für diverse Veranstaltungen und Angebote wie zum Beispiel regelmäßig stattfindende Sprach-, Selbstverteidigungs- und Musikkurse, bis hin zu Vorträgen genutzt. Eine sich im Infoladen befindende „Mindmap“ mit dem traumhaft anmutenden Namen „Kreis der Fähigkeiten“ dient dem Austausch von Wissen, was neue Workshops und Arbeitskreise generiert.

Im Rahmen regelmäßig stattfindender Bautage wurden die zwei kollektivierten Gebäude (seit fünf Wochen ist auch das Hinterhaus besetzt) neu gestrichen und eine offene Küche im Vorderhaus eingerichtet. Auf den Dächern entsteht derzeit ein kleiner Garten mit Folienhaus.Neben den regelmäßgen Öffnungszeiten von 11-18 Uhr (außer Samstags) konnte der Raum auch als Ausgangspunkt für verschiedene Aktionen genutzt werden. So wurde etwa für den Wagenplatz „Kommando Rhino“ oder das Autonome Zentrum in Köln demonstriert.

An Werktagen findet von 9-12 Uhr ein Schulschwänz-Café für alle, die sich den täglichen Zwängen wenigstens für eine gewisse Zeit entziehen wollen, statt. Freitags lädt die Ortsgruppe der Freien-ArbeiterInnen-Union (FAU) zur anarchA-syndikalistischen Kneipe von 18-22 Uhr ein. Seit vergangener Woche wird das Hinterhaus für unregelmäßig stattfindende Kino-Veranstaltungen genutzt, zahlreiche Veranstaltungen sind im dort befindlichen Multifunktionsraum geplant. Im Juli sind etwa Infoveranstaltungen zu „Peak-Oil“, „No-Border-Camp Bruxelles“ und „Psychiatriekritik“ angesetzt. Außerdem wird am 18. Juli mit viel Trara und Klimbim eine anarchistische Bibliothek eröffnet. Dank eines neuen Solarpanels wird uns in Kürze auch der gespeicherte Strom eine Bandbreite neuer Möglichkeiten eröffnen.

Die AnwohnerInnen stehen der Wiederbelebung des Hauses vorwiegend positiv gegenüber. Mit dem Hauseigentümer wurden Verhandlungen aufgenommen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass großes Interesse an der selbstverwalteten Räumlichkeit und systemkritischen Inhalten besteht. Die innenstadtnahe Lage der Gartenstraße 19 ermöglicht es, gesellschaftliche Diskurse und herrschaftskritische Inhalte mehr in die Öffentlichkeit zu tragen. Weiterhin kann auch in der kommerziell geprägten Innenstadt Raum für Selbstverwaltung auf Basis der freien Vereinbarung und mit nicht-kommerziellem Anspruch geschaffen werden.

Plätze. Häuser. Alles. – Besetzen. Kollektivieren. Selbstverwalten.

Kollektiv Gartenstraße 19 am 7. Juli 2010

Kontakt: annefreiburg [at] immerda [dot] ch

PS: An diejenigen die das ironische „Münstereck“ der Badischen Zeitung vom 29. Juni fehlinterpretiert haben sollten und für alle Journalisten- und Journalistinnen, die es nicht pflegen, ein zweites mal hinzuschauen – wir verbrennen Nationalfahnen und schwenken sie nicht.