Rhinokino Unkultur?

Sexismus angreifen!

Das Rhino- Kino ist inzwischen recht bekannt als Treffpunkt für alternativen und kostenfreien Kinogenuss, gezeigt wurden in meiner Gegenwart meist Spielfilme der trashigen Sorte. Na gut, über Geschmack lässt sich streiten, und auch darüber, wie politisch, also mit kritischen Inhalten gespickt ein solches Kino sein sollte. Die Frage des Geschmacks hört aber dann auf, wenn ein Film mit verschiedensten heteronormativen und sexistischen Klischees beladen ist und weder zuvor noch im Anschluss an den Film auch nur irgendein einziges kritisches Wort darüber fällt.
Ich kann keine Aussage dazu treffen, ob das immer der Fall war, noch, ob einige Filme nicht doch kritisch reflektiert wurden; die eigenen Erfahrungen und Berichte, auf die ich mich beziehe kommen jedenfalls zu dem Schluss, dass es an einer generellen kritischen Reflektion und Achtsamkeit mangelt. Dieses Statement ist kein Angriff gegen die Organistor_innen, sondern angesichts sexistischer Normalität ein dringender Aufruf zu einer konsequenten antisexistischen Praxis.

Sexismus ist, unter Anderem, die Diskriminierung von Menschen und Menschengruppen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung, wenn sie von der heterosexuellen Norm abweicht. Dabei ist aber auch Geschlecht an sich keineswegs irgendwie naturgegeben und nur bedingt durch den eigenen Körper bestimmt, sondern wird aus einer Reihe von sozialen Normierungen und Prägungen konstruiert. Was ich als „Frau“ oder „Mann“ wahrnehme, besteht zum Großteil aus einer Performance von Aussehen wie Kleidung, Haarschnitt, Make- up, dem Gang etc. und aus dem sozialen Verhalten wie dem Dominanz-, Sexual- und Redeverhalten, den Tätigkeiten (z.B. Haushalt vs. Lohnarbeit), etc.
Diese Konstruktion von Geschlechteridentität bedeutet nicht nur den Druck, den jeweiligen Vorstellungen des einer_m zugewiesenen Geschlechts zu genügen, sondern schafft auch im wahrsten Sinne des Wortes gewaltige Unterschiede zwischen den angenommenen zwei Geschlechtern. Der weiße Mann stellt die Norm des rationalen und aufgeklärten Menschen. Mann= Mensch. Alle davon abweichenden Geschlechter sind Nicht- Mann, und in der Geschichte bekanntermaßen auch Nicht- Mensch. Alles in Allem leben wir, noch immer, in einer hochgradig männlich dominierten Gesellschaft. Damit meine ich nicht die Herrschaft aller Männer über alle Frauen, sondern die Vorherrschaft männlich konnotierter Eigenschaften wie Konkurrenzverhalten, Dominanz, Rationalität und Gewalt, die den männlich geprägten Gesellschaftsmitgliedern große Vorteile verschafft. So verdienen Frauen im Schnitt noch immer weniger als Männer und befinden sich viel seltener in verantwortlichen Positionen. Viel dramatischer äußert sich dieses Verhältnis aber in der alltäglichen Gewalt an Frauen in der Partnerschaft und im Haushalt, in der Entmenschlichung als Sexualobjekte oder als zu beschützende Opfer, die für immer in der passiven Rolle zu verbleiben haben.

Sexismus ist strukturell, also in die Struktur dieser Gesellschaft einprogrammiert und fast überall in verschiedenen Formen präsent. So ist selbstverständlich die Darstellungen in Filmen kaum frei von sexistischen Bildern und Motiven und wer einen sexismusfreien Spielfilm sucht, die_der sucht vergeblich. Es soll also nicht darum gehen, die Genießer_innen von Filmen generell als sexistisch und mackerig zu brandmarken, sondern darum, das Gesehene kritisch zu hinterfragen, um nicht den Alltag sexistischer Gewalt weiter zu reproduzieren. Ich finde es unerträglich, wenn kein Gedanke daran verschwendet wird, was Filmszenen von entsubjektivierten Frauen und sexualisierter Gewalt (die schon bei der ungewollten Berührung, dem erzwungenen Kuss, dem Arschgrapschen, der Anmache anfangen kann, je nachdem, wie die betroffene Person es erlebt) bei Betroffenen sexualisierter Gewalt auslösen kann!

Ich fordere eine sorgfältige Wahl von Filmen und einen achtsamen Umgang mit sexistischen Szenen. Keine Zensur, sondern die Achtsamkeit gegenüber den vielen Betroffenen unterschiedlichster Diskriminierungen. Wenn bekannt ist, dass der Film explizit sexistische Momente beinhaltet, dann sollte zuvor darauf hingewiesen werden, damit Trigger (Auslöser von Flashbacks, Wiederbeleben traumatischer Erlebnisse) vermieden werden. Und zumindest das Angebot der Organisierenden, über den gesehenen Film zu sprechen und kritische Stellen auch anzusprechen, halte ich für ein Muss. Es gibt nun mal kein „Wir sind doch alle Antisexist_innen und müssen nicht mehr darüber reden“. Es gibt nur eine ziemlich beschissene Realität, die genau das immer und immer wieder von all denen fordert, die emanzipative Vorstellungen und Lebensweisen für sich in Anspruch nehmen.