Solidarität mit den Heidelberger Besetzer_innen! Her mit dem AZ!

Im Anschluss an die Heidelberger Nachttanzdemo vom 16. April wurde die „Alten Eppelheimer Straße 80“ von Autonomen besetzt. Seit dem Aus für das AZ im Jahr 1999 gab es nur punktuell neue Besetzungen in Heidelberg, der Kampf für ein selbstbestimmtes Zentrum für (Gegen-) Kultur und Politik jedoch hat die Zeit überdauert. So gab es immer wieder Aneignungsaktionen (Chronologie bei autonomes-zentrum.org/archiv), Partybesetzungen, Demonstrationen und direkte Aktionen, die den Bedarf nach einem solchen Raum Nachdruck verleihen konnten. Auch die gestrige Besetzung wurde von einem irrsinnigen Bulleneinsatz beendet. Doch das die Ideen und Ansprüche der Freiraum-Szene – 1.200 Menschen beteiligten sich an der diesjährigen Nachttanzdemo – nicht totzukriegen sind, dürfte auch den Bullen und Parlamentarier_innen langsam dämmern.

Ohne Vorwarnung brachen die Cops die Eingangstür des neubesetzten Hauses nach einer Stunde auf, um willkürlich Linke mit Pfefferspray und Kampfhunden anzugreifen. Die höchst illegale Aktion seitens der Exekutive wurde nach kurzer Zeit beendet, da die Bullen keine Perspektive einer sofortigen Räumung sahen. Im Laufe des Vormittags des 17. April erzwangen dann unter anderem irrwitzig vermummte BFE-Einheiten die Räumung des im Eigentum des Landes befindlichen Gebäudes in der Alten Eppelheimer Straße. Dutzende Aktivist_innen wurden kontrolliert. Die repressive Aktion reiht sich perfekt in den rechtsradikalen Kurs von Oberbulle Zacherle ein, der seit kurzem das Ruder das er in der Neckarstadt in der Hand hat für einen Schlagstock hält. Unter anderem beim traditionellen Antifa-Straßenfest in der Walpurgisnacht fiel auf, dass bereits freie Meinungsäußerung und etwas Punkrock dem Obercop zuviel des guten ist. Landesweit sind ausgedehnte Großeinsätze hunderter Bullen mehr Regel als Ausnahme, sobald Kritik an Repression, Kapitalismuskrise, Wohnraumpolitik und Staat laut wird.

Bereits der im Winter 2010 enttarnten Spitzel Simon Bromma machte durch eine erneute „Spätzle-Stasi-Affäre“ von Heidelberg reden. Der auch international eingesetzte LKA-Schnüffler Bromma infiltrierte über sieben Monate lang schrittweise die alternative Szene Heidelbergs, legte zahlreiche Dossiers an und teilte Informationen mit lokalen Bullen sowohl als auch mit Stuttgarter Behörden. Die steigende Repression animierte antifaschistische Initiativen die staatliche Repression erneut zu thematisieren und dagegen zu Protestieren. Unter anderem wird es am 21. Mai in Heidelberg eine Großdemo gegen den Polizeistaat geben an der wir uns beteiligen werden.

Im Südwesten spitzt sich der Kampf um Freiräume weiter zu: Vor nun fünf Jahren und zehn Tagen ist die Karlsruher Ex-Steffi von Riotbullen und SEK geräumt worden, ohne dass seither ein vergleichbarer Raum entstehen konnte. Vielerorts werden nur auf legalem Weg Räume für emanzipatorische Politik erbattled, so zum Beispiel in Stuttgart, Heilbron oder Mittelbaden. In Freiburg sind derzeit besonders der studentische Freiraum KuCa in Littenweiler und der Wagenplatz Rhino auf dem M1-Gelände in der Vauban von Räumung bedroht. Vor einer gefühlten Woche wurde die sechstägige Besetzung der Johann-Sebastian-Bachstraße von einem – was Festnahmen betrifft erfolglosen – Bullenhaufen beendet. In Schopfheim soll das seit Jahrzehnten existierende Café Irrlicht auf Wunsch der SPD geschlossen werden. Gelingt es uns diese Initiativen besser zu vernetzen, dann kommen sie damit nicht durch. Überall werden wir uns auch in Zukunft für billigen Wohnraum, Autonome Zentren, Wagenplätze und sonstige befreite Räume starkmachen, koste es was es wolle.

Die Heidelberger Besetzung vom 16. April ist ein wichtiger Schritt um aufzuzeigen, dass eine Perspektive jenseits von Privatisierung und Bullenstaat denkbar ist und wir eure Eigentumsideologie niemals schlucken werden. Jetzt gilt es den von Repression betroffenen zu helfen und weiterhin lautstark unsere Bedürfnisse zu äußern und umzusetzen. Der dahinsiechende kapitalistische Wahnsinn braucht Gegenpole und Räume die der Unterdrückungslogik trotzen. Genau solche Räume zu erkämpfen, besonders in einer an Spießigkeit und Hochnäsigkeit kaum zu überbietenden Region, ist die Motivation, die AZ-Initiativen und -Kampagnen immer und immer wieder hervorbringen. Wie sich auch überregional zeigt, ist ein breiter gesellschaftlicher Widerstand gegen Gentrification möglich, so derzeit in Oldenburg, Köln, Hamburg oder Münster. Tragen wir den organisierten Protest in die Städte und Käffer!

Wir sehen uns auf den Dächern der Häuser und wir sehen uns auf der Straße: Ob beim JSB-Straßenfest in Freiburg am 21. April, der Reclaim-The-Streets in Lahr am 29. April, dem Antifa-Straßenfest am 30. April oder der Antirepressionsdemo am 21. Mai in Heidelberg.

Ihr kriegt uns nicht klein! Her mit den Autonomen Zentren!

Für viele linksradikale Räume, in Heidelberg und Überall!

Plenum der Freiraum-Kampagne Plätze.Häuser.Alles. in der KTS Freiburg, 17.04.2011