PM zur Besetzung in der Goethestraße 2 am 25.12.2011

Am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertags, den 25.12.2011, haben Freiraumaktivist_innen der Freiraumkampagne Plätze.Häuser.Alles erneut ein Haus in der Freiburger Innenstadt besetzt. Das Haus könnte Raum für unkommerzielle Kunst und Kultur bieten, aber vor allem als kostenloser Wohnraum genutzt werden. Das leerstehende Gebäude in der Goethestraße 2 war bereits im Juli im Rahmen der Freiraum-Aktionstage besetzt und noch am selben Tag brutal von der Polizei geräumt worden. Seitdem hat sich nichts im Bezug auf das Haus, das Eigentum der evangelischen Stiftung Schönau ist, getan – es steht nach wie vor leer und ungenutzt, während in Freiburg erschwinglicher Wohnraum immer knapper wird.

„Freiburg ist eine Stadt in der Wohnraum knapp und teuer ist – sorry, das ist eben Marktwirtschaft.“ So brachte es Freiburgs grüner OB auf den Punkt. Wohnraum ist, wie jede Ware im Kapitalismus, den Gesetzen der Marktwirtschaft unterworfen. Nicht menschliche Bedürfnisse, sondern Gewinnmaximierung und Profit stehen hier im Vordergrund einer der Verwertungslogik unterworfenen Wohnraumpolitik. Häuser stehen zur Spekulation leer, Gelände liegen brach, um das Kapital ihrer Eigentümer zu vermehren. Gleichzeitig verknappt dies das Angebot an Wohnraum künstlich, was den Quadratmeterpreis zusätzlich in die Höhe treibt.

Die Stadt Freiburg arbeitet an ihrem Image als „Green City“ um sich weiterhin als vorbildlicher Öko-Standort zu vermarkten.
Alte Gebäude und erschwinglicher Wohnraum werden abgerissen oder schick-saniert. Von diesen Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen, auch „Gentrifizierung“ genannt, welche Freiburg als Stadt attraktiver machen sollen, sind vor allem Menschen in prekären Verhältnissen betroffen. Sie werden aus ihren Wohnungen vertrieben und an den Stadtrand abgedrängt. Nicht Sozial-Wohnungen sondern teure Eigentumskomplexe und Büroflächen werden gebaut. Auch für alternatives und herrschaftskritisches, sich nicht der Verwertungslogik unterwerfendes Leben ist in der Stadt kein Platz: Dies zeigte einerseits die Räumung des Wagenplatzes Kommando Rhino im Sommer, einige Räumungen besetzter Häuser und weitere Angriffe auf bestehende Freiräume in der Gartenstraße 19 und dem Autonome Zentrum KTS.

Wir wollen keine aufgewertete „Green City“, in der alle Lebensbereiche auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sind und aus jeder Ware Kapital geschlagen wird.
Wir wollen uns nicht an Weihnachten in die Scheinidylle unserer schicken Eigentumswohnung und unserer Kleinfamilie zurückziehen und unser Glück im Konsum suchen. Wir wollen uns der Vereinzelung und Verwertungslogik der Gesellschaft entziehen und einen solidarischen Gegenentwurf leben.
Diese Besetzung soll auf all diese Missstände aufmerksam machen und bestehende Eigentumsverhältnisse hinterfragen und aufbrechen. Doch diese Aktion ist nicht rein symbolisch – wir wollen nicht um Mitbestimmung in der Stadtpolitik betteln, sondern unsere Stadt und unseren Lebensraum aktiv selbstgestalten. Nicht der Markt, sondern wir bestimmen unser Leben. Wir kämpfen für einen Raum, in dem solidarisches, unkommerzielles Leben möglich ist und wollen versuchen dieses Haus als Wohn- und Freiraum zu halten.
Nehmen wir uns, was wir brauchen!

Randnotiz an den Vorstand der Stiftung Schönau, ansässig in Heidelberg: Das von Ihnen angeregte Treffen mit Ihnen in Heidelberg konnte bis heute leider nicht stattfinden. Wir möchten Sie daher herzlich einladen, sich doch nach Freiburg zu begeben – die Adresse dürfte Ihnen inzwischen ja bekannt sein. Uns drängt die präkere Wohnraumlage in Freiburg, deshalb können wir den Zustand des Leerstandes nicht länger mitansehen während hunderte von uns obdachlos sind! Gerade am heutigen Tage wäre es doch im Sinne Ihrer Stiftung, die Nächstenliebe sprechen zu lassen!

Häuser denen, die drin wohnen!
Paläste für alle!


1 Antwort auf „PM zur Besetzung in der Goethestraße 2 am 25.12.2011“


  1. 1 Juff 02. Januar 2012 um 12:57 Uhr

    menschliche Grundbedürfnisse als Handelsware – genau das isses.

    ein Hausbesitzer kann das machen.
    ein Bürgermeister sollte sich um die Erfüllung der Grundbedürfnisse seiner Bürger kümmern und nicht um den Profit einiger weniger.

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