Kein Burschenseminar auf dem Lorettoberg!

In Freiburg gibt es 30 Studentenverbindungen unterschiedlicher Couleur. Die meisten dieser Korporationen genannten Vereine haben sich in Dachverbänden zusammengeschlossen. Wegen Naziskandalen in Verruf geraten ist in den letzten Jahren vor allem ein Dachverband: die „Deutsche Burschenschaft“ (DB). In Freiburg gehören mit der „Teutonia“ und der „Saxo-Silesia“ zwei der insgesamt fünf Burschenschaften der DB an. Nun plant die „Deutsche Burschenschaft“ für den 13. April ab 10 Uhr auf dem Haus der „Saxo-Silesa“ im Kapellenweg 4 ein Regionalseminar zur Schulung der baden-württembergischen Burschenschaftler.

Nach dem außerordentlichen Burschentag (aoBT) am letzten Novemberwochenende 2012 in Stuttgart hat die Hälfte [1] der baden-württembergischen DB-Burschenschaften den Nazidachverband verlassen. In Stuttgart und Mannheim gibt es gar keine DB-Burschenschaften mehr. In Heidelberg sind die „Normannia“, in Karlsruhe die „Tuiskonia“ und in Tübingen die „Arminia“ in der „Deutschen Burschenschaft“ geblieben. An Freiburg ist die DB-Austrittswelle bislang spurlos vorbei gegangen.

Stimme der arischen Jugend

Dass die „Alten Herren“ der „Freiburger Burschenschaft Teutonia“ einen in den NSU-Sumpf verstrickten und seit Jahrzehnten einschlägig bekannten Nazianwalt wie Klaus Harsch in ihren Reihen dulden, gibt beredte Auskunft über ihre politische Gesinnung. Wes Geistes Kind die Aktivitas der „Teutonia“ ist, hat sie im Wintersemester mit einem Nazi-Zitat in ihrem Programmheft gezeigt. Michael „Lunikoff“ Regener, Sänger der nach §129 StGB verbotenen Naziband „Landser“, wurde von den Burschen unkommentiert als „deutscher Lyriker“ geehrt.

Die „Teutonia“ ist der größte noch verbliebene Bund in der „Deutschen Burschenschaft“ und zahlt damit den größten finanziellen Beitrag zum Haushalt der DB. Aufgrund des gescheiterteten aoBT-Antrags der „Hilaritas Stuttgart“ auf Kopplung des Stimmgewichtes an die Mitgliederstärke einer Mitgliedsburschenschaft alimentieren die Burschen aus der Maria Theresia Straße 12 auf diese Weise andere Burschenschaften in der DB. Prominentestes Beispiel ist die vorsitzende Burschenschaft „Teutonia Wien“ — eine ausgewiesene Naziburschenschaft mit FPÖ-Verstrickungen, aber nicht einmal einem Drittel der Mitglieder der „Teutonia Freiburg“.

Unvergessene Heimat

Die „Saxo-Silesia“ hat sich im Januar 2013 per Abstimmung für den Verbleib in der „Deutschen Burschenschaft“ ausgesprochen, ein bundinterner Austrittsantrag wurde abgelehnt. Stattdessen versucht die „Saxo-Silesia“ zusammen mit der „Teutonia“ mit dem „Fuldaer Forum“ in der DB einen Burgfrieden zwischen national-konservativem und national-völkischem Lager zu schaffen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse innerhalb der „Deutschen Burschenschaft“ nach der jüngsten Desertionswelle, die inzwischen Ausmaße wie beim Lützowschen Freikorps angenommen hat, ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt.

Die „Burschenschaft Saxo-Silesia“ ist bekannt für ihre blutigen Fechtrituale. Für eine Mensur in der polnischen Stadt Wrocław, die im Burschenvokabular weiter „Breslau“ heißt und in „Schlesien“ liegt, haben die Burschen vom Lorettoberg „Waffenschutz gewährt“. Ein „Alter Herr“ der „Saxo-Silesia“ hat laut DB-Pressemitteilung [2] vom 28. Januar 2013 die „nationalpolnische“ Verbindung „Akademische Korporation Sarmatia“ in Polen „eingepaukt“, also an der Fechtwaffe ausgebildet.

Freiburger Waffenring

Angesichts der medialen Aufklärung über die Naziumtriebe der „Deutschen Burschenschaft“ versuchen die übrigen Korporationen öffentlich Distanz zu den beiden Freiburger DB-Burschenschaften zu wahren. Tatsächlich jedoch sind alleine fast ein Drittel von ihnen zusammen mit der „Teutonia“ und der „Saxo-Silesia“ im „Freiburger Waffenring“ organisiert. Der Waffenring, in dem sich die Mitglieder zu Mensuren verabreden, besteht neben Burschenschaften aus Corps, Landsmannschaften, Sängerschaften und Turnerschaften.

Bei der Mensur handelt es sich um ein blutiges Fechtritual, bei dem sich die Korporierten regelmäßig schwere Wunden zufügen: von der einfachen Fleischwunde, dem „Schmiss“, bis zu abgeschlagenen Kopfhautstücken, sogenannten „Scherzel“. Zweck der Mensur ist die Auslese und Disziplinierung der Burschen. Sie ist aber auch ein elitärer Initiationsritus als Voraussetzung zur Aufnahme in den „Lebensbund“, einer korrupten Seilschaft reaktionärer Männer.

Naziideologie frei Haus

Die Referenten vergangener DB-Regionalseminare waren nahezu ausnahmslos Vertreter des ideologisch gefestigten völkischen Lagers. Vom FPÖler und Südtirol-Terroristen Bruno Burchhart von der „Olympia Wien“, über den REP-Funktionär und „Junge Freiheit“-Hetzer Michael Paulwitz von der „Normannia Heidelberg” bis hin zum ehemaligen FAP-Landesgeschäftsführer und Agitator von Rostock-Lichtenhagen Norbert Weidner von den „Raczeks Bonn“ — sie alle wollen die Burschen in Nazischulungen auf den Rassismus und Nationalismus der „Deutschen Burschenschaft“ einschwören. Das werden wir nicht widerstandslos zulassen!

Wir rufen dazu auf am Samstag, den 13. April, ab 9 Uhr die Naziveranstaltung im Kapellenweg 4 auf dem Lorettoberg zu blockieren. Bereits am Freitag, den 12. April, wird um 17 Uhr eine Kundgebung gegen Korporationen auf dem Augustinerplatz stattfinden. Anschließend gibt es um 20 Uhr eine Infoveranstaltung zu Burschenschaften im Autonomen Zentrum KTS Freiburg in der Baslerstraße 103 mit einem Referenten der Antifaschistischen Initiative Heidelberg. Zeigen wir den Burschen, dass sie in Freiburg nicht willkommen sind!

Nieder mit der Reaktion!


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Communiqué der Autonomen Antifa Freiburg vom 16.03.2013