GegenImmo-Leergut-Ralley

Zu den Freiburger Messe-Events IMMO und GETEC (Gebäude. Energie. Technik) am 13. und 14. April 2013 in Freiburg: Pünktlich zur Immo-Messe 2013 präsentieren wir die unbeachteten Perlen des Freiburger Immobilienmarkts, schillernd in ihrer Rolle in der kapitalistischen Stadt – kurz: Leer-Gut. Er-fahrt und bestaunt den Leerstand auf der Leergut-Fahrradralley, garniert mit einigen weiteren Infohäppchen über die Green City.

An den verschiedenen Stationen wird über die Geschichte der leeren Objekte berichtet und Perspektiven für eine ganz andere Nutzung vorgestellt. In der kapitalistischen Stadt geht es nicht um Befriedigung des Grundbedürfnisses Wohnen und die Bereitstellung sozialer Treff-punkte, sondern um Profit. So stehen Objekte auch im überteuerten Freiburg jahrelang zu Spekulations- zwecken leer, obwohl Obdachlosigkeit, schlechte Wohnbedingungen in verschimmelten Wohnungen und Containerunterbringung für Flüchtlinge an der Tagesordung sind.

Auf der Freiburger Immobilienmesse ist der Eintritt frei, der Eintritt oder der Verbleib in Freiburg ist für Menschen mit geringem Einkommen allerdings nicht frei. Während mensch sich auf der Messe mit den Renditechancen des Immobilienerrwerbs in Spanien auseinandersetzt, sich die hiesigen Krisenprofiteure also nocheinmal an den Folgen der über 400.000 Zwangsräumungen seit Beginn der Wirtschaftskrise, bereichern wollen, richten wir den Blick auf den Leerstand in unsere Stadt.

Wir wollen dem bunten Verkaufs-Jahrmarkt „rund um die Ware Wohnen“ nicht tatenlos zusehen. Radfahrend werden wir vorstellen, wie der vorhandene Leerstand eine alternative Nutzung und Stadtplanung von unten ermöglichen könnte und gegen die derzeitige profitorientierte Stadtpolitik protestieren. Bringt Fahnen und Infomaterial aus euren Stadtteilen mit und überlegt euch eigenverantwortlich kreative Einlagen.

Route:

  • Start: 12h am Annaplatz (Wiehre Ecke Kirchstr./Lorettostr.)
  • Ex-Freie Antonia (Kirchstr.16): 2009 nach 2 Jahren Leerstand besetzt und nach wenigen Tagen geräumt auf Befehl des Besitzers Volkmar von Braunbehrens, Miteigentümers der Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann (Stichwort Leopardpanzer für Saudi-Arabien) – nach Räumung erneut Langzeit-Leerstand – jetzt: Wohnung von Braunbehrens; Häuserblock umgestaltet zur Gated Community.
  • Hier könnte ein Soziokultureller Treffpunkt entstehen, wie die Freie Antonia ihn für Jung&Alt bot.

  • Goethestr. 43: Leerstand seit über 3 Jahren – Stille Besetzung im Juli 2010 – sofort geräumt – seither weiter Leerstand.
  • Hier könnten zwei Familien wohnen und ein Quartiersladen mit Café geöffnet sein.

  • Goethestr. 2: Oktober 2010: „Arbeitslosenberatung Goethe 2“ zieht vom reichen Freiburger Osten nach Weingarten – Dreivierteljahr Leerstand – Juli 2011: Erste Besetzung, trotz Verhandlungen mit der Eigentümerin (Evangelische Stiftung Schönau) sofort geräumt – Leerstand – Dezember 2011: Zweite Besetzung, ebenfalls sofort geräumt – seither Leerstand.
  • Hier könnten kleinere Gruppen von Wohnungslosen, Flüchtlingen und anderen Menschen unter menschenwürdigen Bedingungen unterkommen, statt in Sammelunterkünften und Containern „verstaut“ zu werden.

  • Westlich der Merzhauserstr.: Seit mehreren Jahren Vertreibungen durch ständige, überzogene Mieterhöhungen, Luxussanierungen, Baulärm und Mobbing unter der Regie von Sauer, LBBW und Südwestdeutsche BauUnion – Mieter_innen leisten vielfach Widerstand und wollen sich einen Teil der Häuser zurückkaufen.
  • Hier hätten billige Wohnungen, frei zugängliche Gärten zum Spielen für Kinder, und Treffpunkte für AnwohnerInnen im öffentlichen Raum sein können. Und hier könnten einige wenige Häuser in Selbstverwaltung wiederangeeignet werden.

  • Götz&Moritz-Gelände: Leerstand seit mindestens 10 Jahren – 2012: Großteil der ehemaligen Fabrikhallen abgerissen – dort seit 2011 zu Wohnzwecken stehende Bauwägen mehrfach auf Anordnung des Ordnungsamts vertrieben, obwohl von der Eigentümerin DB geduldet.
  • Hier könnten ein Wagenplatz und dauerhaft sozialgebundene Wohnungen Platz finden.

  • Lörracher Str.: Seit dem Jahr 2000 Polizeiakademie an der Lörracher Str. (neben Edeka) – ab 2016 geplanter Umzug der Akademie nach Böblingen – hat dringend eine vernünftige Nutzung nötig, bevor die üblichen Verdächtigen wie Unmüssig & Co. sich das Gelände unter den Nagel reißen.
  • Nach dem langersehnten Abzug der Polizei 2016 wird hier nach Ideen der ‚Stadtplanung von Unten‘ ein inklusiver sozialer Modellstadtteil entstehen, in dem Veranstaltungräume, Werkstätten, Gärten, Spielplätze Platz haben, genauso wie Wohnraum für mehrere hundert Menschen.

  • ECA-Siedlung: In Nachkriegszeit mit US-Geldern des Marshallplans errichtet – heute im Besitz der Freiburger Stadtbau – MieterInnen erfuhren 2011 aus der Zeitung vom geplanten Abriss: voraussichtlich 2016.
  • Hier könnten die BewohnerInnen die Möglichkeit bekommen, über die Zukunft und eventuelle Umgestaltung ihres Wohngebiets im Sinne einer ‚Stadtplanung von Unten‘ selbst zu bestimmen.

  • Gartenstadt: Anfang des 20.Jahrhunderts gemäß den sozialreformerischen Gedanken der Gartenstadt-Bewegung gebaut, um dauerhaftes, soziales und gesundheitlich unbedenkliches Wohnen für ArbeiterInnen zu gewährleisten – derzeit Häuser im Besitz von Freiburger Stadtbau und Heimbau zum Verkauf ausgelobt – längst mehrfach abbezahlte Häuser sollen nun erneut Gewinn abwerfen: Sozialbindung ist out.
  • Hier hätte die Gartenstadtidee den Profitinteressen der vermeintlich sozialen Wohnungsträgern wie Stadtbau und Genossenschaften widerstehen können und wirklich dauerhaft selbstverwaltetes, sozialgebundenes und kollektives Wohneigentum eingerichtet werden können.

  • Gutleutmatten: Schrebergärten 2011 aufgelöst – Stadt Freiburg kauft Grundstück im September 2011 von der Stiftungsverwaltung – zwischenzeitlich genutzt für Guerilla Gardening – auf der Fläche sollen Wohnungen für ca. 1000 Personen neugebaut werden: Erschließung voraussichtlich ab Ende 2014 – soll Haslach „verjüngen“.
  • Hier könnte – z.B. nach den Vorschlägen des Bauvereins „Wem gehört die Stadt“ – ein neues sozial-ökologisches Quartier entstehen für diejenigen, die sich keine 10€ Quadratmetermiete leisten können wie in den von Oben geplanten Stadtteilen.

  • Klarastraße: Das Restaurant steht seit nach Rechtsstreitigkeiten mit der Eigentümerin seit 2009 leer. Hier war seit den 1970er Jahre das erste griechische Restaurant in Freiburg und auch immer wieder Treffpunkt für politische Gruppen.
  • Hier könnte ein Stadtteilcafé entstehen, in dem sich Menschen treffen und z.B. gegen den Mietwahnsinn organisieren können.

  • Klinikviertel: Auch hier erfuhren die MieterInnen und GenossInnen des Bauvereins aus der Presse, dass ihre z.T. erst noch frisch sanierten Häuser komplett abgerissen werden sollen. Ein gutes Beispiel das Genossenschaften an sich nicht gut sind und die MieterInnen über ihre Häuser eben nicht verfügen können, sondern von den Genossenschafts-Bossen überbaut werden, um auch der Klinkerweiterung weichen zu müssen.
  • Diese Häuser könnten zum Beispiel mit dem Mietshäuser Syndikat wirklich genossenschaftlich selbstverwaltet werden, sodass es sich ihre BewohnerInnen leisten können, dort weiterhin zu wohnen.

    Leerstandsfahrradralley zur Immomesse 2013

    Start: 12 Uhr Annaplatz (Wiehre)

    mehr Infos: www.rechtaufstadt-freiburg.de