Solidarität mit den Beschäftigten im Einzelhandel!

Im Frühjahr 2013 kündigte der Arbeitgeberverband bundesweit alle Entgelttarifverträge, sowie alle Manteltarifverträge, die die Arbeitsbedingungen regeln. Und das obwohl die Jobs im Einzelhandel jetzt schon stressig und völlig unterbezahlt sind.

In unserem Alltag, beim Einkauf(en) sehen und erfahren wir täglich, welchen Arbeitsbedingungen die Beschäftigten im Einzelhandel – sei es bei Karstadt, Kaufhof, H&M, Ikea, Rewe, Real oder Edeka … – ausgesetzt sind: Arbeitsverdichtung, Unterbesetzung durch Personaleinsparungen und Stress, die Ausweitung prekärer/unsicherer Arbeitsverhältnisse wie befristete Angestellte und Teilzeitbeschäftigte, NiedriglöhnerInnen wie Mini-JobberInnen, LeiharbeiterInnen und durch Werkverträge, bestimmen die miese Situation im Einzelhandel.
Wir, die ‚Worker Center Initiative‘ Freiburg, solidarisieren uns mit den aktuellen Arbeitskämpfen im Einzelhandel!

Die Forderungen der Unternehmer
Das Vorhaben der Bosse im Einzelhandel würden für viele Beschäftigte schlechtere Arbeits- und Lebensbedingungen bedeuten. Sie reden von ‚Modernisierung der Tarifverträge‘. Tatsächlich geht es ihnen um tarifliche Abgruppierungen bzw. niedrigere Eingruppierung für KassiererInnen an Verbrauchermarktkassen, Streichung der Kassierzulage, Einführung einer neuen, niedrigeren Entgeltgruppe für ‚Hilfstätigkeiten‘ wie Warenverräumung und Auffülltätigkeiten, Streichung der Spätöffnungs- und Nachtzuschläge für diese Tätigkeiten, weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Streichung des Zuschlages für das Zuendebedienen nach dem regulären Arbeitszeitende.
Nach den Forderungen der Bosse im Einzelhandel sollen z.B. KassiererInnen in Verbrauchermärkten und SB-Warenhäusern nicht mehr in Gehaltsstufe III eingruppiert werden. Das wären bis zu 281 Euro weniger im Monat (- 13,7 %)! Für ‚Hilfstätigkeiten‘ wie Warenverräumung und Auffülltätigkeiten wollen sie eine neue, niedrigere Entgeltgruppe einführen – mit einem Stundenlohn von 8,20 – 8,50 Euro und ohne Anspruch auf Spät- und Nachtzuschläge. Nach derzeitigen Ver.di-Tarif müsste eine Auffüllkraft einen Std.- Lohn von 10,67 Euro erhalten. Daraus ergäbe sich eine Lohnsenkung um 355 Euro im Monat (- 20,4%)! Sofern die Auffüllkraft in der Nacht (zwischen 20 Uhr und 6 Uhr) arbeiten würde, könnte sich das Minus wegen der Nachtzuschläge von 50% auf bis zu 1225 Euro (- 46,9%) erhöhen. Von 8,50Euro Std.- Lohn (1386 Euro im Monat bei Vollzeit) kann niemand menschenwürdig leben. Das sind Dumping-Löhne wie wir sie in der Leiharbeit vorfinden, die wir kategorisch ablehnen und die abgeschafft gehört!

UND VER.DI ?!
Unsere Kenntnissen und Erfahrungen über bzw. mit Ver.di haben gezeigt, das in der Vergangenheit einige Male schon faule Kompromisse und Ergebnisse ausgehandelt wurden. Diese wurden wie so oft als hervorragende Ergebnisse oder gar als Sieg verkauft. Viele Ver.di – Mitglieder und auch nicht-organisierte Beschäftigte waren enttäuscht und fühlten sich hintergangen. Diese Gefahr besteht in diesem aktuellen Konflikt im Einzelhandel wieder. Dazu gab und gibt es Anzeichen und Hinweise: Hintergrund ist eine Initiative der ver.di-Spitze, den Unternehmen bei den laufenden Tarifverhandlungen eine sogenannte Prozessvereinbarung anzubieten. Demnach soll der von den Konzernen gekündigte Manteltarifvertrag zwar zunächst wieder in Kraft gesetzt, danach aber über dessen »Reform« verhandelt werden. Kritiker befürchten, dass die von den Unternehmen geforderten Verschlechterungen – wie die Einführung einer neuen Niedriglohngruppe und die Streichung von Zuschlägen in der Warenverräumung oder die weitgehende Flexibilisierung der Arbeitszeiten – so durch die Hintertür doch noch umgesetzt werden könnte.

Grundvorraussetzung für einen erfolgreichen Arbeitskampf ist aber, dass Forderungen und Strategien breit auf Vollversammlungen, in der Mitgliedschaft bzw. in der Basis diskutiert und entschieden werden müssen. Arbeitskämpfe müssen die Unternehmer wirtschaftlich empfindlich treffen, da sie sonst kein Druckmittel darstellen. Mit Sozialpartnerschaft, Standortlogik und rein defensiven Verhandlungen, werden wir nichts mehr erreichen. Warum fordert VER.DI nicht Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Es wird Zeit effektivere Strategien und Kampfformen zu wählen!

Es ist immer ein Angriff auf uns alle
Diesmal sind es also die Lohnabhängigen des Einzelhandels, denen es an den Kragen gehen soll. Sie sind aber kein Einzelfall, sondern nur Teil einer allgemeinen Verschlechterung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen. Durch die Normalisierung von Leiharbeit und Werksverträgen werden prekäre, also völlig unsichere und schlecht bezahlte, Jobs zur Norm. Durch die Harz-IV-Reform sind Arbeitslose von vielen Bereichen des sozialen Lebens ausgeschlossen. Aber auch schon die Schüler und Schülerinnen werden immer rücksichtloser für die später Lohnarbeit „fit gemacht“ und auch das Studium ist nun effizienter, das heißt arbeitsintensiver, gestaltet. In der Freizeit soll jeder für die Arbeit erreichbar sein und sich am besten ständig für den Job weiterausbilden. Kein Wunder also, dass Burnout zur „Volkskrankheit“ geworden ist.
Sollen wir uns das Alles gefallen lassen und sagen „die machen ja eh was sie wollen“ oder kämpfen wir für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen? Verlassen wir uns womöglich auf Stellvertreter -„die machen das schon“ oder werden wir selber aktiv und fangen an selbstorganisiert und basisdemokratisch zu bestimmen, wie wir kämpfen wollen.

- Keine weitere Ausdehnung prekärer Arbeitsverhältnisse und Niedriglohngruppen!
- Wir bekommen nur, wofür wir kämpfen!

Worker Center Initiative (WCI) Freiburg