Archiv der Kategorie 'PLÄTZE.HÄUSER.ALLES'

Redebeitrag der Kampagne Plätze.Häuser.Alles. bei der Kundgebung: Breakthrough! Für eine Gesell schaft ohne Knäste am Sa,21. Juli 2012

In Freiburg gibt es neben dem normalen Strafvollzug auch einen Trakt zur Durchsetzung der sogenannten Abschiebungshaft. Wie im restlichen Strafvollzug sind hier ebenfalls Menschen inhaftiert die gegen ein bestimmtes Gesetz dieser Staatsgewalt verstoßen haben. Doch dieser Rechtsverstoß unterscheidet sich bemerkenswert von den üblichen Bestrafungen bei Übertretung des bürgerlichen Rechts.

Bei erster Betrachtung haben diese Menschen überhaupt keinen Straftatbestand dieses Staates begangen. Sie haben weder geklaut, noch Drogen verkauft oder jemanden verletzt. Ihr Vergehen ist lediglich der Umstand, dass sie dieser Staat nicht exklusiv seiner hoheitlichen Gewalt unterworfen hat, sondern sie eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Dieser Staat definiert kraft seines Gewaltmonopols, dass der Aufenthalt eines Ausländers auf dem Gebiet der Bundesrepublik zunächst einmal verboten ist. Dies tut der Staat in seinem sogenannten Aufenthaltsgesetz in §4, der besagt für die Einreise und den Aufenthalt bedürfen Ausländer eines Aufenthaltstitels.
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Hände weg von autonmen Räumen

Solidaritätserklärung der Was wir brauchen – Kampagne mit bedrohten Zentren im Rhein-Main Gebiet

Im Rhein-Main-Gebiet findet gerade ein Rundumschlag gegen Autonome Zentren, besetzte Häuser und alternative Wohnprojekte statt. Die anhaltenden Kämpfe um das im April 2010 besetzte AZ in Köln-Kalk, der Verkauf des besetzten „ IvI“ im Frankfurter Stadtteil Bockenheim und das JUZ in St Ingbert sind nun schon seit mehreren Monaten Thema. In den vergangenen Wochen gab es jedoch auch schlechte Neuigkeiten aus dem Haus Mainusch in Mainz und dem Autonomen Zentrum in Aachen. Die Angriffe auf antifaschistische Strukturen und Freiräume drohen überhand zu nehmen und werden zeitnah solidarische Interventionen und Mobilisierungen erfordern.

Sämtliche dieser Räume sollen in den nächsten Monaten – vermutlich ersatzlos – verschwinden. Verhandlungen mit Eigentümer_innen und Politik entpuppen sich meistens als Farce… Während in Baden-Württemberg Initiativen für neue Räume im Keim erstickt und bestehende Räume meist durch bürokratische Strategien eingeschränkt werden, bleiben geräumte Häuser und Plätze wie in Karlsruhe, Freiburg oder Heidelberg ohne Ersatz. In Hessen und im Rheinland könnte sich die Situation vergleichbar verschärfen, sollten die Androhungen von Staatsgewalt und InvestorInnen verwirklicht werden. Überall sollen Stadtteile um jeden Preis homogenisiert werden, da dies der Verwertungslogik am meisten entspricht. Auf der Strecke bleiben bezahlbarer Wohnraum, soziale Zentren und Gegenentwürfe.

Gentrificate – Now!

Die unaufhaltsam scheinenden Verdrängungsprozesse und Durchkapitalisierung der Städte nehmen ihren Lauf und treffen viele Milieus in der Gesellschaft. Der Standort wird zuungunsten prekarisierter und angreifbarer Bevölkerungsgruppen gestriegelt. Der unsolidarische Grundsatz unserer Krisen-geschüttelten Wirtschaftsweise spiegelt sich in Sachen Wohnraumpolitik unverkennbar wieder. Die Verhinderung antiautoritärer Räume, günstigem Wohnraumes und Zentren politischer Organisierung nehmen bei der Stadtentwicklung oftmals Schlüsselpositionen ein, egal ob in Zürich, Dijon, Berlin oder Schopfheim. Es sollen keine „Schmutzflecken“ übrig bleiben, die die saubere, transparente, kontrollierbare und überwachte „sichere Stadt“ von Morgen in Frage stellen könnten.

Die vermeintlichen ökologischen und soziale Ziele der neuen Stadtentwicklung erweisen sich beim genaueren Hinschauen als Lug und Trug. So konnte das Super-Vorzeige-Öko-Bonzenviertel „Vauban“ in Freiburg nur auf Kosten von zahlreichen Wagenplatz-Räumungen, der Verdrängung des Autonomen Zentrums KTS und der Zerstörung dutzender brauchbarer Häuser vollzogen werden. Soziale Bindung eines großen Anteils der Wohnungen laufen nach und nach aus und hopps – die Gentrification ist gerichtet.

Allein, machen sie dich ein, lachen sie dich aus, werfen sie dich raus.

Die großen Jahre linksradikaler Politik, in denen autonome Räume in teils spektakulärer Manier erkämpft wurden, sind zweifelsohne vorbei. Für uns hat sich jedoch nichts geändert, an der Notwendigkeit der Verteidigung verbleibender und dem Aufbau neuer solcher Räume. Wo sonst sollen wir uns der Kontrolle und Einfluss von Parteien und Staat entziehen und Widerstand organisieren, gegen Krise, Krieg und Nazis?

Das Haus Mainusch, das AZ Aachen, das IvI Frankfurt, das JUZ St Ingbert und das AZ in Köln, so unterschiedlich die Ansätze dieser Häuser auch sein mögen, sind Räume der Kapitalismuskritik und Herde kleiner und großer Aufstände. Wir wollen der Vereinzelung und Dogmatisierung entgegenwirken und uns überregional für den Ausbau dieser Strukturen einsetzen.

Wozu der ganze Stress?

Sicher, unsere Häuser und Plätze können auch zu Sümpfen werden. Sie leben immer von den Beteiligten und gehen durch vielfältige Widersprüche und interne Querelen. Der Anspruch herrschaftskritisch, unkommerziell, diskriminierungsfrei und zu einer Gefahr für das System zu werden, kann, wenn überhaupt, nur teilweise erreicht werden. Doch was wären diese Städte und Käffer ohne JUZ und Wagenplatz?

AZs gehören zu den wenigen Räumen in denen diskriminierendes Verhalten durch Macker_innen, Sexist_innen, Rassist_innen und so weiter aufgezeigt und angegriffen wird. An vielen Orten bieten sie Schutz vor Nazis und Bullen, die Ideale, die die Aktiven dieser Häuser zu verwirklichen versuchen, sind ein kleiner Schimmer Hoffnung in dieser Scheißwelt.

Gemeinsam in eine antikapitalistische Zukunft!

Nur die politische Auseinandersetzung kann zum Erhalt und Ausbau selbstbestimmter, linksradikaler Räume führen. So ist im aktuellen Streit um die Reutlinger Zelle, um das Cafe Irrlicht in Schopfheim, dem Wagenplatz SiG in Freiburg und das Art-Can-Robert in Rastatt eine solidarische und überregionale Vernetzung und Unterstützung aufgebaut worden. Diese Vernetzung wollen wir über Baden-Württemberg hinaus ausbauen, um der Verteidigung bedrohter Projekte gemeinsam etwas entgegenzusetzen.

In Köln, Reutlingen oder St Ingbert herrschen sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Verhältnisse vor. Wenn wir uns auf gemeinsame Kämpfe gegen die jeweiligen Behörden und Eigentümer_innen einlassen, ist eine Intensivierung der Auseinandersetzung mit diesen Verhältnissen schon im Vorfeld von Nöten. Die Bedrohung einiger Projekte ist so akut, dass wir glauben, diesen Prozess beschleunigen zu müssen.

Wir rufen Aktive und Sympathisant_innen der Häuser AZ Köln, Mainusch, AZ Aachen, JUZ St.Igb. und IvI zur Beteiligung an einer gemeinsamen Offensive für die Verteidigung und den Aufbau selbstbestimmter Räume auf.

Wir trauen keiner auf Hierarchien und Profit ausgelegten Politik und werden unsere kulturellen und Lebensräume gegen diese Politik verteidigen. Wir glauben an ein selbstbestimmtes Leben und an ein Ende der Unterdrückung durch Bürokratie, Kapital, Parteien, Staatsgewalt und Militär. Diese politischen Gegner_innen gehören immer und überall bekämpft.

Wir rufen alle linksradikalen Projekte und Gruppen dazu auf bedrohte Räume auf ihre Art und mit Geschick zu verteidigen. Beteiligt euch an den Kämpfen um Freiräume in der Region und darüber hinaus.

Der Kampf beginnt auf’s neue!
Mit Autonomen Zentren gegen Nazis, Staat und Kapital!

Solidarität mit:

- Haus Mainusch Mainz

- Autonomes Zentrum Aachen

- Autonomes Zentrum Köln

- Institut für vergleichende Irrelevanz FfM

- JuZ St Ingbert

… und allen anderen!

Kampagne für mehr Freiräume: Wir nehmen uns was wir brauchen!
Bisherige UnterstützerInnen der Kampagne:

- ELEU Lahr

- KTS Freiburg

- Café Irrlicht Schopfheim

- Plätze.Häuser.Alles.

- ArtCan Rober Rastatt

- G19 Freiburg

- Wagenplatz SiG

- Kulturschock Zelle Reutlingen

Selbstverwaltung in Gefahr!!!

Die Reutlinger Stadtverwaltung versucht das selbstverwaltete Jugend- & Kulturzentrum „Kulturschock Zelle“ mithilfe einer Gastättenkonzesion zu zerstören.

Wir leisten Widerstand und rufen zur Solidarität auf!!!

Die Zelle ist ein seit 1968 selbstverwaltetes Jugend- & Kulturzentrum, dass von Anfang an nicht bereit war sich der Reutlinger Spießbürgerlichkeit anzupassen. Daher standen Teile der Stadtverwaltung der Zelle schon immer ablehnend gegenüber und versuchten mehrfach das autonome Zentrum unter Kontrolle zu bringen oder gar zu schließen. Doch der Stadtverwaltung gelang dies nie und es wird ihr auch dieses Mal nicht gelingen!!!
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Aufruf zur Freiraumdemo in Freiburg am 28.04.2012

Freiraum demo

Wir, die Freiraumkampagne Plätze.Häuser.Alles., rufen zu einer Freiraum Demo am 28. April 2012 auf, um gemeinsam den Geburtstag der Gartenstraße 19 zu feiern und weiterhin für Freiräume zu kämpfen.

Seit zwei Jahren ist die Gartenstraße 19 in der Freiburger Innenstadt besetzt. Irgendwo zwischen grauem (Konsum-)Alltag, Shopping Meile und Betonklötzen hat sich in dem kleinen selbstverwalteten Häuschen ein reges Treiben rund um Infoladen, unkommerzielles Café, Bibliothek, Umsonstladen und Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt entwickelt.

Doch wie alle Räume, in denen versucht wird sich Kommerzialisierung und Konsumzwang zu entziehen, hat auch die Gartenstraße seit letztem Sommer verstärkt mit Repression zu kämpfen. Ordnungsamt, Bullen, Bauamt, … Mit allen Mitteln versucht die Stadtverwaltung gegen die Besetzer_innen vorzugehen – und wenn schon nicht die Räumung zu erzwingen, die Nutzung weitestgehend einzuschränken. So erließ die Stadtverwaltung im Sommer 2011 eine Verfügung, die bis dahin alltägliches verbietet: Volxküche, Kneipe, Kino, Veranstaltungen aller Art, Gehwegnutzung und den Kräutergarten auf dem Dach. Bei Verstößen wird dem Eigentümer mit 2000€ Bußgeld gedroht – um ihn dadurch zu einer Räumung zu drängen.

All dies geschah im Zuge massiver Repression und Hetze gegen Freiräume und linke Projekte in Freiburg, deren Höhepunkt gewissermaßen die Räumung des bis dahin zwei Jahre besetzten Wagenplatzes Kommando Rhino war. Durch die Rhino-Räumung im August 2011 wurden viele Menschen obdachlos gemacht und auch das Entstehen einer neuen Wagenburg wurde durch die Stadt verhindert. Mit Rhino wurde Freibug nicht nur ein Wagenplatz, der kostenlosen Wohnraum für über 30 Menschen bot, genommen sondern auch ein wichtiger Freiraum und ein politisches Projekt, das von vielen Menschen genutzt wurde. Auch nach der Räumung sorgte die Stadt für weitere Skandale – Wägler_innen am Straßenrand wurden durch die Polizei terrorisiert, Straßenfeste verhindert und linke Projekte wie etwa das Autonome Zentrum KTS durchsucht.

Im Gespräch ist auch ein Abriss des selbstverwalteten Studierendenhaus der Pädagogischen Hochschule, das „KuCa“ – von einem vergleichbaren Ersatzgebäude ist keine Rede.

Auch in anderen Städten werden Freiräume angegriffen. In Reutlingen ist das jahrelang bestehende Selbstverwaltete Jugendzentrum Kulturschock Zelle akut Existenz bedroht – auch dort nimmt die Reutlinger Stadtverwaltung das Projekt mit Hilfe von Paragraphen – in diesem Fall des Gewerberechts – in die Mangel. Die Liste wäre endlos weiterzuführen: AZ Köln Kalk, das Irrlicht in Schopfheim, Ivi in Frankfurt, …

All dies ist an sich Grund genug auf die Straße zu gehen. Freiräume waren und sind immer umkämpfte Räume.

Freiräume sind Orte, an denen wir uns organisieren. An denen wir versuchen selbstverwaltete Strukturen aufzubauen und Gegenentwürfe zu leben. Dazu gehört ein anderer Umgang miteinander, der Versuch, den in unserer Gesellschaft verankerten Unterdrückungsmechanismen, wie Sexismus, Rassismus, Heterozentrismus etc. weitestgehend zu entkommen und Raum zu schaffen, sich kritisch mit eben diesen auseinander zu setzen. In dieser auf Zwang basierenden Gesellschaftsordnung ist ein (temporäres) Ausbrechen nur durch Organisation mit Anderen möglich. Indem wir uns zusammentun, um die Dinge, die für unser Leben wichtig sind, gemeinsam und hierarchiefrei zu organisieren, können wir unsere Utopien ein Stück weit ausprobieren und für Andere erlebbar machen. Ob unkommerzielle Kunst- und Kulturveranstaltungen auf Wagenplätzen oder in Autonomen Zentren, gemeinsames Containern oder solidarische Gartenbaukooperativen, Umsonstläden, Haus/Platzbesetzungen, freie Radios oder besetzte Krankenhäuser – eine selbstorganisierte Gesellschaft kann nur von unten entstehen. Diese kriegen wir nicht geschenkt – wir müssen für sie kämpfen!

Nicht ihr sondern wir bestimmen, wo und wann und wie wir auf die Straße gehen. Mit dieser Demo wollen wir uns den durch strukturierten, kommerzialisierten Raum der Innenstadt wenigstens vorübergehend zurückzuerobern und einen temporären Freiraum schaffen.

Freiheit entsteht aus kämpfender Bewegung!

Wir nehmen uns was wir brauchen!

Freiraum Demo | Sa. 28.04.2010 | 14:00 Uhr | Bertoldsbrunnen | Freiburg i.Bsg.

Im Anschluss an die Demo findet ein Straßenfest in der Gartenstraße 19 und später Konzert und Party in der KTS Freiburg statt.

G19 Straßenfest


Infos zu den Projekten und Terminen findet ihr hier:

  • http://kulturschock-zelle.de
  • http://www.irrlicht.org
  • http://unsersquat.blogsport.eu
  • http://www.kts-freiburg.org
  • [Guerilla-Gardening Work-Shop]

    Guerilla-Gardening Work-Shop

    Treff-punkt 08-04-2012 14h00 KTS
    Bring Pflanzen und Werkzeug mit!