Plätze.Häuser.Alles. – besetzen, kollektivieren, selbst verwalten
Selbstverständnis der Kampagne von 2010

Frei.

Freiräume sind für uns Orte, die den Anspruch haben mit Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen zu brechen und dem ein angst- und diskriminierungsfreies solidarisches Miteinander entgegenzustellen.

Sexistische, rassistische und andere Diskrimierungsformen, sollen offen gelegt, reflektiert und bekämpft werden, wodurch ein Schutzraum entstehen soll.
Innerhalb eines Freiraums sollen Herrschaftsformen abgebaut, herrschende Normen und Wertvorstellungen hinterfragt und dekonstruiert werden.
Die kollektive Struktur soll der Vereinsamung, Privatisierung und Kommerzialisierung von Bedürfnissen entgegenwirken.
Selbstentfaltung und soziale Experimente sollen Platz haben.
Der Entwicklung kritischer Kommunikation wird Raum gegeben.
Ein Freiraum kann nicht nur eine Nische sein, sondern muss Auswirkungen auf die Gesellschaft entfalten. Er bietet Infrastruktur für eine Politik, die herrschende Verhälnisse in Frage stellt und Möglichkeiten entwickelt und aufzeigt diese zu überwinden.

Leer.

In Freiburg gibt es 24.714 Wohngebäude und 105.594 Wohnungen (Stand: 01.01.2009) davon stehen etwa 900 Wohnungen leer (Stand: Dezember 2008/ vgl. Studie des Energiedienstleisters Techem und dem Bonner Marktforschungsinstitut Empirica ). Rund 640 der städtischen Wohnungen, etwa 6,2 Prozent, stehen ungenutzt leer.
Aber auch diejenigen, die in Freiburg in den Genuss einer Wohnung oder eines Hauses kommen, können nicht gemütlich leben und wohnen, sondern müssen laut einer bundesweiten Studie durchschnittlich 44 Prozent ihres Einkommens für diesen Genuss aufbringen.

Besonders prekär wirkt sich das auf Menschen mit einem schwachen Einkommen aus, da sie durch steigende Mieten gezwungen sind, umzuziehen (sei es durch „hauswirtschaftliche Entscheidungen“ oder durch Zwang seitens des Jobcenters) und dadurch mehr und mehr aus den Innenstadtbereichen verdrängt werden und ihnen die Möglichkeit genommen wird, am gesellschaftlichen Leben zu partizipieren.

Diese Mißstände liegen im gesellschaftlichen System begründet.

Im Kapitalismus werden Dinge als Ware gehandelt, die durch den Vergleich am Markt einen Wert erhalten. Da die Häuser eine Ware auf dem Immobilienmarkt darstellen, werden sie zum Zweck der Gewinnmaximierung gehandelt. So kommt es, dass nicht der eigentliche Nutzen der Häuser – nämlich die Möglichkeit, darin zu wohnen, zu arbeiten und zu leben – ihren Zweck bestimmen, sondern ihr jeweiliger Wert auf dem Markt. Leerstand und speziell die Spekulation mit diesem, sowie Sanierung, Abriss und/oder Verkauf sind für Eigentümer_innen profitabler. Aufgrund der herrschenden kapitalistischen Verwertungslogik ist der Handlungsspielraum der Eigentümer_innen und ihres Handelns innerhalb dieser begrenzt und kann sich dieser nicht entziehen.

Um das Grundbedürfnis Wohnen zu stillen, muss man sich den gegebenen Umständen bedienen, was letztlich zwangsläufig zur Eingliederung in den kapitalistischen Normalbetrieb, worunter speziell auch Lohnarbeit fällt, führt.

Her damit.

Unser Ziel ist eine Welt, in der viele Welten möglich sind- eine Welt, in der Menschen aktiv die Gesellschaft nach ihren Bedürfnissen gestalten.
Dafür braucht es Orte und Räume, die sowohl all denen offen stehen, die diskriminierende und herrschaftsförmige Gewalt erfahren, als auch denen, die sich für eine Gesellschaft frei von Herrschaft und Gewalt engagieren.

Wir haben keine Wahl- innerhalb der bestehenden Verhältnisse müssen wir für unsere Freiheit kämpfen! Warum sollte ich für ein Haus Miete zahlen, das dort seit hundert Jahren steht? Nur weil es jemand besitzt? Warum werden neue Häuser und Villen gebaut, wenn es eigentlich genug Wohnraum gibt? Warum wird dafür immer mehr Fläche versiegelt und Natur zerstört? Warum wird soziale und ökologische Stadtplanung so oft gegeneinander ausgespielt, wie hier in Freiburg? Warum können Menschen nicht würdig leben, wenn sie kein Geld haben? Wofür überhaupt Geld und Tauschwert?
Wenn Häuser nicht den Menschen und ihren Bedürfnissen, sondern allein der Verwertung dienen, dann holen wir sie uns zurück!

Alles für Alle: das heißt Aneignung von Eigentum und die Umwandlung in einen offenen Raum, der entprivatisiert und damit für Alle nutzbar ist. Das heißt die Entwicklung eines selbstbestimmten, gemeinsamen und solidarischen Zusammenlebens, in dem Menschen ihre Grenzen selbst setzen und mit Anderen aushandeln. Nicht nur für mich oder dich, sondern für alle Menschen, egal woher sie kommen.
Wir wollen Umsonst- Netzwerke aufbauen, die ein engagiertes Leben ohne Lohnarbeit möglich machen. Wir brauchen Räume zum Wohnen und politischen Arbeiten, zum Ideen spinnen und Utopien ausprobieren, Diskussions- und Inforäume, selbstorganisierte Cafés und Werkstätten, Wagenplätze und Kneipen. Räume, in denen ein Leben ohne Herrschaft und Unterdrückung ausprobiert werden kann.

Ein Haus ist nicht genug- besetzt die Welt! annefreiburg.blogsport.de

„Eine Gesellschaft, in der die bewaffnete Staatsmacht dafür sorgt, dass ein Haus seinen menschlichen Zweck nicht erfüllt, ist offenkundig verrückt.“